Vom Spreewald zur Ostsee

Mit den Kajaks vom Spreewald zur Ostsee

12 Tage, 333,5 Kilometer, anderthalb Liter Kocherbenzin, zwei Kilo Kartoffeln, ein Kilo Nudeln, mehr als zwanzig 1,5 Liter-Flaschen Mineralwasser und fast 45 Liter Frischwasser sind nur einige Zahlen eines phantastischen Urlaubs. Jeden Morgen Kaffee kochen, frühstücken, Zelt abbauen, Packsäcke packen, Boote klarmachen und starten. Jeden Abend Schlafstelle suchen, Zelt aufbauen, Boote entladen, meist Abendessen kochen und den Tag Revue passieren lassen. Und die vielen schönen Momente, die pure Natur, das Beobachten der Bieber, der Seeadler und der Kormorane, die Ruhe und am Ende das Ziel erreicht zu haben, entschädigen für alle Qualen. Es ist der Lohn für die Rückenschmerzen, den manchmal strömenden Regen und natürlich auch den Muskelkater.

 

Getartet sind wir am Spreewald-Camping Lübben, sind über die Spree, dem Oder-Spree-Kanal in die Oder gepaddelt, um dann über das Marinhofer Wehr in die Westoder und von dort nach Stettin und ins Haff zu fahren. Endstation war Trzebiez in Polen. Die sozusagen als Kür geplante Überfahrt nach Usedom mussten wir leider abrechnen, unser Jannes ist seekrank geworden. Er war am meisten traurig darüber - er hatte es sich so sehr gewünscht, auch die Insel zu erreichen.

 

Die Tour ist abwechslungsreich, beeindruckend und anstrengend zugleich, jeder Flusskilomter ist anders. Starker Wind sorgt selbst auf der Oder für Wellen und manchmal für recht unberechenbare Strudel. Bei Gegenwind ist von der Strömung des Flusses nichts mehr zu merken. Unberührte Natur der Uckermark und an der Spree, die über viele Kilometer unbesiedelt ist, wird von teilweise erdrückender Industriearchitektur in Eisenhüttenstadt und Stettin abgelöst. Das Wasser ist extrem sauber, an der Oder zumindest bis oberhalb Frankfurt, bis die großen Städte Polens ihre Abwässer in die Ostoder einleiten. Beeindruckend sind aber auch die Selbstreinigungskräfte der Natur, die im Oderhaff wieder eine Sicht in zwei Meter Tiefe und mehr ermöglichen.

 

Es waren 12 Tage, die süchtig machen nach mehr und die wieder deutlich werden lassen, was wirklich wichtig ist. Eines werden wir aber niemals wieder tun: Nach einer solchen Tour auf einen ganz normalen Touristen-Zeltplatz zu fahren. Es ist ein Kulturschock und das Umfeld wundert sich über die spartanische Ausrüstung der irgendwie eigenartigen Gestalten.

Über diesen Link gelangt Ihr zur Galerie. Dazu benötigt Ihr Zugangsdaten, die wir Euch gern zukommen lassen. Schickt uns einfach an info@nimmrichter-neukirch.de eine E-Mail.

Übernachtung

Im Spreewald bis zum Neudorfer See gibt es viele Zeltplätze und Wasserwanderrastplätze. In den großen Städten, wie Eisenhüttenstadt oder Frankfurt Oder, sind Übernachtungen bei Kanu- oder Rudervereinen möglich, wenn auch oft nicht erstrebenswert. Bei großen Teilstücken ist jedoch die einzige Möglichkeit, sich eine Schlafstelle am Ufer zu suchen, was oft einmalige (Natur)- Erlebnisse mit sich bringt. Dabei sollte man sich nicht auf die Wasserwanderkarte verlassen. Auf der polnischen Seite, die oft die einzige Möglichkeit ist, sind die guten Stellen meist von Anglern belegt oder sehr vermüllt.

Versorgung

Die Versorgung mit Wasser und Lebensmitteln ist das größte Problem. Die Strecke ist oft extrem dünn besiedelt mit wenig Einkaufsmöglichkeiten. Bei den großen Städten ist ein Anlanden mit Kajaks kaum möglich. Das heißt, dort wo es geht, so viel wie möglich Wasser und Lebensmittel bunkern, was natürlich seine Grenzen hat.

Ausrüstung

Wir schwören auf unsere beiden "alten Ladys", unsere fünfzig Jahre alten Pouch-Faltboote. Die brauchen zwar, was bei alten Damen normal ist, viel Pflege und sind auch unbequem. Dafür sind sie genügsam, liegen extrem gut im Wasser und meistern auch einmal eine Wildwasser-Strecke. Ansonsten haben wir alles dabei: Zelt, Schlafsäcke, Isomatten, Kocher, Töpfe, Bekleidung, Lebensmittel und für den Ernstfall auch einen Wasseraufbereiter. All das ist packmaß- und gewichtsoptimiert und wasserdicht verpackt.

Augenblicke

Abendstimmung an der Spree unterhalb von Raßmannsdorf

Seeadler an der Oder in Höhe Reitwein

"Kontrastprogramm" Eisenhüttenstadt am Kanal

Stettin - beeindruckend und beängstigend zugleich

Suchbild: Das Zelt auf einer Sandbank an der Oder

Abendstimmung bei unserem Schlafplatz Höhe Kamieniska

Die Strecke

Jedes Teilstück ist besonders. Bis zur Oder in Eisenhüttenstadt kann die Tour auch von Anfängern gepaddelt werden. Die Oder und das Haff sind anspruchsvoll, vor allem durch die Winde und gelegentlich auch den Schiffsverkehr. Die Durchlässe von der Ostoder zur Westoder, wie zum Beispiel das Marienhofer Wehr, haben gelegentlich den Charakter von Wildwasser. Eine gute Einschätzung der Strömungen und eine sichere Beherrschung der Boote sind dann wichtig. Auf der Oder ist die Beflaggung der Boote vorgeschrieben, was manchmal für Heiterkeit sorgt.